Redaktionsraum mit mehreren Bildschirmen und Schreibtischen, an denen Personen konzentriert arbeiten
Seo Trends

Warum Redaktionen im Dezember besonders leicht zitieren

Im Dezember erscheinen auffällig viele Artikel mit Sätzen wie „laut aktuellen Zahlen“ oder „eine Auswertung zeigt“. Das ist kein Zufall, sondern eine Folge des Redaktionskalenders: Zwischen den Feiertagen sinkt das tagesaktuelle Geschehen, während der Bedarf an Inhalten bleibt.

Für Unternehmen mit eigenen Daten öffnet sich in dieser Zeit ein Fenster, das den Rest des Jahres über deutlich enger ist. Eine Redaktion, die eine ruhige Woche zwischen Weihnachten und Neujahr füllen muss, greift eher zu einer sauber aufbereiteten Auswertung als in einer Woche voller aktueller Nachrichten.

Dieser Beitrag beschreibt, welche Themen sich für diesen Anlass eignen, wie eine Ansprache aussieht, die nicht wie eine austauschbare Pressemitteilung wirkt, und mit welchem Zeitplan sich das Fenster tatsächlich nutzen lässt.

  • Zeitfenster: Mitte Dezember bis Mitte Januar, mit dem Höhepunkt zwischen den Feiertagen
  • Grundlage: eigene, echte Daten aus dem laufenden Jahr, keine erfundenen Werte
  • Format: eine Kernzahl, verständlich visualisiert, mit kurzer Einordnung
  • Ansprache: persönlich, thematisch passend, ohne allgemeine Presseverteiler
  • Vorlauf: Aufbereitung im November, Versand ab der ersten Dezemberwoche
  • Ergebnis: ein oder wenige Verweise aus thematisch passenden Redaktionen, kein Massenversand

Warum Redaktionen im Dezember anders arbeiten als im Rest des Jahres

Zwischen Weihnachten und Neujahr fehlen viele feste Termine: Behörden, Unternehmen und Institutionen veröffentlichen seltener, Pressekonferenzen finden kaum statt. Redaktionen müssen ihre Kanäle trotzdem füllen, mit kleinerer Besetzung als sonst.

In dieser Lage sind Themen willkommen, die sich unabhängig vom Tagesgeschehen einordnen lassen: Rückblicke, Trends, Auswertungen. Ein Beitrag mit eigenen Zahlen zu einem saisonal passenden Thema erfüllt genau diese Anforderung.

Der Effekt ist messbar an der Aufmerksamkeit: Dieselbe Auswertung, im März verschickt, konkurriert mit deutlich mehr tagesaktuellen Themen um denselben Platz und hat dort einen schwereren Stand.

Linkaufbau Jahresrückblick: der planbare Anlass im Dezember

Linkaufbau über einen Jahresrückblick funktioniert anders als klassische Ansprache das ganze Jahr über. Der Anlass ist jedem bekannt, wiederholt sich jährlich und lässt sich deshalb weit im Voraus planen, statt auf zufällige Gelegenheiten zu warten.

Der Kern ist eine eigene, belegbare Beobachtung aus dem laufenden Jahr: eine Entwicklung im eigenen Datenbestand, eine Veränderung im Verhalten der eigenen Zielgruppe, ein Vergleich zum Vorjahr. Diese Beobachtung wird zum Ausgangspunkt der gesamten Aktion.

Wichtig ist die Ehrlichkeit der Grundlage. Eine erfundene oder maßlos hochgerechnete Zahl fällt bei einer sorgfältig recherchierenden Redaktion auf und beschädigt die Glaubwürdigkeit für zukünftige Anfragen erheblich mehr, als ein fehlender Artikel es täte.

Welche Themen im Dezember überhaupt zitierfähig sind

Zitierfähig ist ein Thema, wenn es eine konkrete Zahl, einen Vergleich oder eine Entwicklung liefert, die sich unabhängig vom eigenen Angebot einordnen lässt. Eine reine Produktankündigung erfüllt das selten.

Gut funktionieren Auswertungen zum eigenen Kundenverhalten im Jahresverlauf, ein Vergleich bestimmter Zeiträume, oder eine Einordnung, wie sich ein bekannter saisonaler Trend in den eigenen Zahlen zeigt.

Weniger geeignet sind Themen, die ausschließlich das eigene Unternehmen betreffen, ohne Bezug zu einer größeren Fragestellung. Eine Redaktion zitiert selten ein internes Firmenjubiläum, aber häufiger eine Beobachtung, die für die eigenen Leser relevant ist, ähnlich wie es der Beitrag zu Entwicklungen im E-Commerce für branchenweite Beobachtungen beschreibt.

Daten statt Meinung: was eine Redaktion tatsächlich braucht

Eine Meinung zu einem Trend lässt sich in jedem Artikel unterbringen, ohne eine externe Quelle zu benötigen. Eine belegbare Zahl dagegen braucht eine Quelle, und genau diese Lücke lässt sich mit eigenen Daten füllen.

Redaktionen bevorzugen Zahlen, die klar hergeleitet und nachvollziehbar sind: Zeitraum, Stichprobe, Berechnungsweise. Eine Zahl ohne diese Angaben wirkt unseriös und wird selten übernommen, unabhängig davon, wie interessant sie klingt.

Deshalb gehört zu jeder angebotenen Zahl eine knappe methodische Angabe: worauf sie sich bezieht, über welchen Zeitraum, und was genau gezählt wurde. Diese Transparenz ist der eigentliche Unterschied zwischen einer verwendbaren und einer ignorierten Auswertung.

Ebenfalls hilfreich ist eine kurze Einordnung, wie repräsentativ die eigene Datenbasis ist. Eine Auswertung aus wenigen hundert Bestellungen wird anders eingeordnet als eine aus mehreren zehntausend, und diese Angabe gehört offen dazu, nicht verschwiegen.

Die eigene Auswertung als Ausgangsmaterial

Der Ausgangspunkt ist fast immer vorhanden, ohne dass eine aufwendige neue Untersuchung nötig wäre: Bestellzeiten, Suchanfragen, saisonale Verläufe im eigenen Shop oder auf der eigenen Website liefern bereits Rohmaterial.

Sinnvoll ist ein Vergleich über mehrere Jahre, sofern die Daten vorliegen, weil ein einzelner Jahreswert weniger aussagekräftig ist als eine Entwicklung. Eine Veränderung von einem Jahr zum nächsten liefert die eigentliche Nachricht.

Wichtig ist, die Auswertung auf die eigene, belegbare Datenbasis zu beschränken. Eine Hochrechnung auf einen größeren Markt ohne entsprechende Datengrundlage überschreitet schnell die Grenze zur unbelegten Behauptung.

Wie ein zitierfähiges Format aussieht

Ausgedrucktes Balkendiagramm liegt auf einem Schreibtisch neben einem Kugelschreiber

Am besten funktioniert eine Kombination aus einer klaren Kernaussage in einem Satz, einer einfachen Visualisierung und ein bis zwei erklärenden Absätzen. Lange, unübersichtliche Berichte werden selten vollständig gelesen und noch seltener zitiert.

Die Kernaussage steht am Anfang, nicht am Ende. Eine Redaktion, die innerhalb weniger Minuten entscheidet, ob ein Thema passt, liest selten bis zum letzten Absatz, um die eigentliche Zahl zu finden.

Eine einfache Grafik, die sich ohne Beschriftungsverlust in einen Artikel einbetten lässt, erhöht die Wahrscheinlichkeit der Übernahme deutlich gegenüber einer reinen Textbeschreibung derselben Zahl.

Der Zeitplan der Aussendung, rückwärts gerechnet

Ausgangspunkt ist der gewünschte Veröffentlichungszeitraum zwischen den Feiertagen und Mitte Januar. Von dort aus wird rückwärts geplant: Redaktionen brauchen meist mehrere Tage bis wenige Wochen Vorlauf, abhängig von ihrem eigenen Planungsrhythmus.

Die Datenauswertung und Aufbereitung finden im November statt, damit im Dezember Zeit für die Ansprache bleibt. Ein zu später Versand, etwa erst kurz vor den Feiertagen, verpasst häufig die Planungsphase der Redaktionen.

Ein zweiter, kleinerer Versand Anfang Januar erreicht Redaktionen, die ihre erste Ausgabe des Jahres noch füllen, und ist deshalb eine sinnvolle Ergänzung zum Hauptversand im Dezember.

Wer den Plan zum ersten Mal umsetzt, sollte den Novemberanteil eher großzügig bemessen. Die Datenaufbereitung dauert bei der ersten Durchführung erfahrungsgemäß länger als gedacht, während sie sich in den Folgejahren mit vorhandener Struktur deutlich beschleunigt.

Wen man anschreibt und wen nicht

Angeschrieben werden Redaktionen und einzelne Autoren, die bereits über verwandte Themen berichtet haben, erkennbar an früheren Artikeln. Eine allgemeine Presseverteileradresse ohne konkreten Ansprechpartner liefert selten eine Reaktion.

Ein Blick auf die letzten Monate eines Mediums zeigt, wer sich mit dem eigenen Thema bereits beschäftigt hat. Diese Personen erhalten eine individuelle Ansprache, alle anderen bestenfalls eine sehr viel kleinere, allgemeinere Aussendung.

Weniger, aber passender angeschriebene Kontakte liefern in der Praxis mehr verwertbare Reaktionen als ein breiter Versand an eine lange, unspezifische Liste.

Ein Anschreiben, das nicht wie eine Pressemitteilung wirkt

Computerbildschirm zeigt ein geöffnetes E-Mail-Postfach mit mehreren ungelesenen Nachrichten
Zimbra Inc / CC BY 4.0

Ein Anschreiben mit einer einzigen konkreten Zahl und einem kurzen Satz zur Relevanz für die Leserschaft des jeweiligen Mediums funktioniert besser als ein mehrseitiges Dokument mit allgemeinen Formulierungen.

Der Betreff nennt die Zahl oder die Beobachtung direkt, statt den Namen des eigenen Unternehmens in den Vordergrund zu stellen. Eine Redaktion interessiert sich für die Information, nicht in erster Linie für die Quelle dahinter.

Am Ende des Anschreibens steht ein Angebot, die zugrunde liegenden Daten oder weitere Details bereitzustellen, statt eine fertige Formulierung zur Übernahme vorzugeben. Redaktionen schreiben lieber eigene Sätze als vorgefertigte Textbausteine.

Was nach der ersten Antwort passiert

Meldet sich eine Redaktion mit Interesse, folgen meist Rückfragen zur Methodik oder zum Zeitraum der Daten. Diese Fragen werden zügig und konkret beantwortet, ohne zusätzliche Werbung für das eigene Angebot einzuflechten.

Wird ein Link angeboten, wird die Zielseite genannt, üblicherweise die eigentliche Auswertung oder eine dazugehörige Übersichtsseite, nicht die Startseite des Unternehmens ohne inhaltlichen Bezug.

Nach der Veröffentlichung lohnt sich eine kurze Dankesnachricht, ohne weitere Forderungen. Diese Geste ist der Grundstein für die Ansprache im folgenden Jahr, wenn dieselbe Auswertung erneut aktualisiert wird.

Bleibt eine Rückmeldung ganz aus, lohnt sich frühestens nach einer Woche eine einzige, kurze Nachfrage. Ein zweites oder drittes Nachhaken ohne Reaktion wirkt aufdringlich und schadet der Beziehung für zukünftige Anfragen mehr, als der ausbleibende Artikel es diesmal täte.

Zeitplan von November bis Januar

Zeitraum Aufgabe
Erste Novemberhälfte Datenauswertung, Kernaussage festlegen
Zweite Novemberhälfte Format aufbereiten, Grafik erstellen, Liste der Kontakte zusammenstellen
Erste Dezemberwoche Hauptversand an ausgewählte Redaktionen
Mitte bis Ende Dezember Rückfragen beantworten, Nacharbeit für interessierte Kontakte
Erste Januarwoche zweiter, kleinerer Versand an noch offene Kontakte

Der Plan lässt sich um wenige Tage verschieben, sollte aber die erste Dezemberwoche als spätesten Termin für den Hauptversand nicht überschreiten.

Warum Exklusivität für eine Redaktion den Ausschlag geben kann

Wird eine Auswertung gleichzeitig an viele Redaktionen verschickt, sinkt für jede einzelne der Anreiz zur Veröffentlichung, weil der Neuigkeitswert bei mehrfacher Veröffentlichung sinkt.

Eine zeitlich begrenzte Exklusivität für ein einzelnes, thematisch besonders passendes Medium erhöht häufig die Wahrscheinlichkeit einer Veröffentlichung deutlich, weil die Redaktion dort tatsächlich zuerst berichten kann.

Diese Strategie funktioniert nur bei kleineren Versandlisten. Bei einem breiten Versand an viele gleichzeitig verliert das Konzept der Exklusivität ohnehin seine Wirkung.

Wird Exklusivität angeboten, sollte sie auch eingehalten werden. Erfährt eine Redaktion, dass eine angeblich exklusive Zahl gleichzeitig an eine andere Redaktion ging, ist das Vertrauen für zukünftige Angebote beschädigt, unabhängig davon, wie gut die Zahl selbst war.

Was schiefgeht, wenn die Zahlen nicht stimmen

Eine falsch berechnete oder missverständlich dargestellte Zahl, die einmal veröffentlicht wurde, lässt sich kaum noch zurücknehmen. Sie verbreitet sich unter Umständen weiter, auch nachdem der Fehler bekannt ist.

Deshalb wird jede Zahl vor dem Versand doppelt geprüft, im Zweifel von einer zweiten Person, die an der ursprünglichen Berechnung nicht beteiligt war. Diese Prüfung kostet wenig Zeit im Vergleich zum Schaden einer öffentlichen Korrektur.

Technische Grundlagen zur korrekten Darstellung von Daten und Angeboten in Suchergebnissen finden sich im Entwicklerbereich zur Suche, auch wenn sie sich primär auf strukturierte Daten beziehen, nicht auf redaktionelle Inhalte.

Wie sich ein einzelner Verweis langfristig auswirkt

Ein Verweis aus einer thematisch passenden, etablierten Quelle wirkt über Jahre, während der ursprüngliche Anlass längst vergessen ist. Diese Langlebigkeit unterscheidet einen redaktionellen Verweis von den meisten anderen Formen der Sichtbarkeit.

Wiederholt sich die Aktion jährlich mit aktualisierten Zahlen, entsteht mit der Zeit eine Beziehung zu bestimmten Redaktionen, die zukünftige Anfragen erheblich erleichtert, weil die Quelle bereits als verlässlich bekannt ist.

Diese langfristige Wirkung rechtfertigt den Aufwand auch dann, wenn im ersten Jahr nur eine einzige Redaktion reagiert, wie es der Beitrag zur nachhaltigen Suchmaschinenoptimierung für langfristig wirkende Maßnahmen allgemein beschreibt.

Der Unterschied zwischen einem Link und einer echten Erwähnung

Nicht jede Erwähnung enthält einen Verweis, und nicht jeder Verweis stammt aus einer redaktionell unabhängigen Quelle. Beide Formen haben ihren Wert, aber aus unterschiedlichen Gründen.

Eine Erwähnung ohne Verweis stärkt die Bekanntheit und kann später bei der eigenen Suche nach weiteren Kontakten als Beleg für bereits vorhandene mediale Aufmerksamkeit dienen, wie es auch für die Suche nach passenden Kontakten in anderen Bereichen gilt.

Ein Verweis aus einem thematisch passenden, gut besuchten Medium bringt zusätzlich einen direkten Effekt auf die eigene Sichtbarkeit in der Suche. Für die langfristige Planung sind beide Formen dokumentationswürdig, nicht nur der direkte Link.

Eine einfache Tabelle mit Datum, Medium, Art der Erwähnung und gegebenenfalls Link, über mehrere Jahre gepflegt, zeigt mit der Zeit, welche Themen und welche Kontakte tatsächlich zuverlässig reagieren, und lenkt die Vorbereitung im nächsten Jahr entsprechend.

Häufige Fragen

Wie viele Redaktionen sollten angeschrieben werden?

Eine kleine, gut ausgewählte Liste von zehn bis zwanzig thematisch passenden Kontakten liefert in der Regel bessere Ergebnisse als ein breiter Versand an mehrere hundert allgemeine Adressen.

Was, wenn keine eigene Datenbasis für eine Auswertung vorliegt?

Dann lohnt sich eine kleinere, aber ehrliche Beobachtung aus einem begrenzten Zeitraum, statt eine größere Aussage zu behaupten, die sich nicht belegen lässt.

Sollte die Auswertung jedes Jahr neu aufgesetzt werden?

Ein wiederkehrendes Format mit aktualisierten Zahlen ist effizienter als ein jährlich neues Thema, weil es Wiedererkennung bei denselben Redaktionen aufbaut.

Reicht eine einfache Tabelle statt einer Grafik?

Für manche Redaktionen ja, für die meisten ist eine einfache Visualisierung hilfreicher, weil sie sich schneller einordnen lässt als eine reine Zahlenreihe.

Was, wenn keine Redaktion reagiert?

Die Auswertung lässt sich trotzdem auf der eigenen Website veröffentlichen und im folgenden Jahr erneut anbieten, ergänzt um die Daten des neuen Zeitraums.

Braucht die Aktion ein eigenes Budget?

Nicht zwingend. Der größte Aufwand liegt in Arbeitszeit für Auswertung, Aufbereitung und Ansprache, nicht in externen Kosten. Eine einfache Grafik lässt sich mit vorhandenen Mitteln erstellen.

Beginnen Sie mit einer einzigen Frage: Welche Zahl aus dem eigenen Jahr wäre für eine fremde Leserschaft tatsächlich interessant? Diese eine Frage entscheidet mehr über den Erfolg der Aktion als die Länge der Kontaktliste.

Marius Hellwig betreut seit Jahren Shops und Fachportale in der organischen Suche. Er arbeitet mit Logfiles, Search-Console-Daten und Indexierungsfragen statt mit Ranglisten einzelner Keywords. Am liebsten schreibt er über Fehler, die erst im Traffic-Peak sichtbar werden.