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Influencer Kooperationen

Pakete verschicken, die nicht im Nichts verschwinden

Vierzig Pakete gehen im Oktober raus, elf Beiträge kommen zurück. Die übrigen neunundzwanzig Produkte sind verschenkt, samt Versand, Verpackung und der Arbeitszeit, die in der Auswahl steckte. Niemand hat gelogen, es hat nur niemand etwas zugesagt.

Das ist der Normalfall bei unvorbereitetem Versand, und er ist vermeidbar. Nicht durch strengere Verträge, sondern durch drei Dinge: eine Zusage vor dem Versand, einen Zeitplan, der zur Produktion des Empfängers passt, und eine Tabelle, in der jedes Paket steht.

Der folgende Ablauf richtet sich an Marken, die zwanzig bis fünfzig Pakete im Quartal verschicken. Er kostet in der Vorbereitung etwa zwei Tage und verändert vor allem eines: das Verhältnis zwischen versendeten Produkten und veröffentlichten Beiträgen.

  • Vor dem Versand: eine schriftliche Zusage, auch wenn kein Geld fließt
  • Vorlauf: mindestens vier Wochen vor dem gewünschten Veröffentlichungsfenster
  • Im Paket: Produkt, kurze Beilage, Hinweis zur Kennzeichnung
  • Dokumentation: eine Zeile je Paket, mit Sendungsnummer
  • Nachfassen: genau einmal, mit Frist, ohne Druck
  • Auswertung: Beiträge je zehn Pakete, am Ende der Saison

Warum Pakete ohne Zusage verschwinden

Ein unangekündigtes Paket erzeugt keine Verpflichtung, und die meisten Empfänger empfinden es auch nicht so. Wer täglich Sendungen von Marken bekommt, sortiert nach Aufwand, und ein Produkt ohne Absprache steht ganz unten.

Dazu kommt ein Zeitproblem. Selbst wer wohlwollend ist, plant Drehs Wochen im Voraus. Ein Paket, das am Dienstag ankommt, passt in keinen dieser Pläne, und bis ein Platz frei wird, ist die Saison vorbei.

Der dritte Grund ist inhaltlich. Ohne Absprache weiß der Empfänger nicht, worauf es der Marke ankommt, welche Aussagen belegbar sind und ob eine Verlinkung gewünscht ist. Im Zweifel entsteht dann gar nichts, weil das Risiko höher wirkt als der Nutzen.

Produkt Seeding planen: der Zeitplan bis zum Beitrag

Der Plan wird rückwärts gebaut, vom gewünschten Veröffentlichungsfenster aus. Zwischen Ankunft des Pakets und einem veröffentlichten Beitrag liegen in der Praxis drei bis fünf Wochen, wenn alles gut läuft.

Diese Zeit verteilt sich auf mehrere Schritte: Auspacken und Ausprobieren, Planung der Aufnahme, Dreh oder Fotografie, Schnitt, Veröffentlichung im eigenen Rhythmus. Keiner dieser Schritte lässt sich sinnvoll beschleunigen.

Daraus folgt der einzige harte Termin des ganzen Verfahrens: Wer im Dezember sichtbar sein will, verschickt spätestens Anfang November, und die Zusagen dafür holt er im Oktober ein. Alles Spätere ist Zufall.

Die Zusage, die kein Vertrag ist

Vor dem Versand steht eine kurze Abstimmung, schriftlich, in fünf Zeilen. Sie enthält, was verschickt wird, in welchem Zeitraum eine Veröffentlichung schön wäre, dass keine Verpflichtung besteht und dass eine ehrliche Einschätzung ausdrücklich erwünscht ist.

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Wer erkennbar eine Lobrede erwartet, bekommt entweder nichts oder etwas, das dem Publikum nicht abgenommen wird. Ein Hinweis auf die eigene Bereitschaft zu Kritik erhöht die Zusagequote spürbar.

Ebenfalls in die Abstimmung gehört die Frage, welche Variante gebraucht wird. Größe, Farbe, Ausführung: Ein Produkt, das nicht passt, wird nicht gezeigt, und dieser eine Satz verhindert einen erheblichen Teil der stillen Ausfälle.

Diese Abstimmung ist kein Vertrag und soll auch keiner sein. Sobald eine Gegenleistung verbindlich vereinbart wird, handelt es sich um eine bezahlte Kooperation mit anderen Anforderungen, und dann gehört sie auch entsprechend geregelt und vergütet.

Die erste Nachricht: fünf Sätze reichen

Die Ansprache entscheidet über die Zusagequote und ist in den meisten Fällen zu lang. Fünf Sätze genügen: ein Satz, woher Sie das Profil kennen, ein Satz zum Produkt, ein Satz zum gewünschten Zeitraum, ein Satz zur Unverbindlichkeit, eine Frage nach der Anschrift.

Der erste Satz ist der einzige, der nicht aus einer Vorlage kommen darf. Ein konkreter Bezug auf einen Beitrag zeigt, dass jemand hingesehen hat, und unterscheidet die Nachricht von den zwanzig anderen, die in derselben Woche eingehen.

Nicht in die erste Nachricht gehören Reichweitenzahlen, ein Katalog und eine Aufzählung der Vorzüge des Unternehmens. Sie machen aus einem Angebot eine Werbesendung, und Werbesendungen werden nicht beantwortet. Wie ein glaubwürdiger Ton entsteht, ordnet der Beitrag zum Aufbau von Vertrauen durch Authentizität ein.

Wer ein Paket bekommt und wer nicht

Die Auswahl folgt denselben Kriterien wie bei bezahlten Kooperationen, nur mit niedrigerer Schwelle. Passung zum Thema, aktive Veröffentlichung in den letzten Monaten, Kommentare mit inhaltlichem Bezug, ein erreichbarer Kontaktweg.

Zusätzlich zählt ein Kriterium, das bei bezahlten Kooperationen weniger wichtig ist: Hat die Person das Produkt oder ein vergleichbares schon einmal erwähnt? Wer ohnehin über das Thema spricht, veröffentlicht mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit.

Ausgeschlossen werden Profile, die in den letzten Monaten fast ausschließlich bezahlte Beiträge veröffentlicht haben. Nicht aus Prinzip, sondern weil ihre Kalender voll sind und ein unbezahltes Paket dort keine Priorität bekommt. Wie sich solche Beziehungen langfristig entwickeln, beschreibt der Beitrag zum Community-Building.

Was ins Paket gehört, außer dem Produkt

Handgeschriebene Notiz auf hellem Papier liegt neben einem offenen Karton
http://www.president.gov.ua/ / BY 4.0

Vier Dinge, mehr nicht. Das Produkt in der Variante, die vorher abgesprochen wurde. Eine kurze Beilage. Ein Hinweis darauf, wie ein Beitrag zu kennzeichnen wäre. Und ein Kontaktweg für Rückfragen, mit Namen einer Person.

Nicht ins Paket gehört ein Katalog des gesamten Sortiments, ein zweites Produkt als Überraschung oder eine mehrseitige Broschüre. Beilagen, die nach Werbematerial aussehen, werden ungelesen aussortiert.

Sinnvoll ist dagegen ein zweites Exemplar bei Verbrauchsartikeln, weil der erste Versuch beim Fotografieren aufgebraucht wird. Das ist kein Geschenk obendrauf, sondern eine praktische Notwendigkeit, die viele Marken übersehen.

Die Verpackung selbst sollte ordentlich sein, aber nicht aufwendiger als das Produkt. Ein Paket, dessen Verpackung mehr Eindruck macht als der Inhalt, erzeugt eine Erwartung, die das Produkt danach enttäuscht.

Die Beilage, die den Unterschied macht

Eine Seite, handschriftlich oder zumindest persönlich formuliert, mit vier Angaben: warum gerade diese Person angeschrieben wurde, was das Produkt kann, was es ausdrücklich nicht kann, und der gewünschte Zeitraum für eine Veröffentlichung.

Der dritte Punkt wirkt am stärksten. Eine Marke, die von sich aus sagt, wofür ihr Produkt ungeeignet ist, wird deutlich häufiger erwähnt als eine, die nur Vorzüge aufzählt. Der Grund liegt auf der Hand: Diese Angabe ist überprüfbar.

Ergänzend gehört auf die Beilage, welche Angaben belegbar sind und welche nicht gemacht werden dürfen. Das schützt beide Seiten und erspart die nachträgliche Bitte, einen Beitrag zu ändern, wie sie der Text zur Entwicklung einer Markenbotschaft beschreibt.

Versandwege und die Frage nach der Adresse

Die Adresse wird immer erfragt und nie recherchiert. Viele Creator arbeiten von zu Hause aus und geben ihre Anschrift nur an Personen weiter, mit denen sie gesprochen haben. Ein Paket an eine ermittelte Adresse ist ein Vertrauensbruch, kein Service.

Praktisch bewährt hat sich der Versand an eine Abholstation, wenn die Person das anbietet. Er löst das Problem der Zustellzeiten und ist für viele Empfänger der bequemere Weg, gerade in der Vorweihnachtszeit.

Die Sendungsnummer geht an den Empfänger, sobald das Paket unterwegs ist, zusammen mit dem voraussichtlichen Zustelltag. Das klingt banal und ist der Punkt, an dem in der Hochsaison die meisten Pakete verloren gehen: Sie liegen zwei Wochen in einer Filiale.

Sechs Wochen Vorlauf im Überblick

Vorlauf Schritt Fertig, wenn
sechs Wochen Auswahl und Ansprache die Liste steht und die Nachrichten raus sind
fünf Wochen Zusagen einsammeln, Adressen erfragen je Zusage eine Anschrift vorliegt
vier Wochen Versand mit Beilage und Sendungsnummer alle Pakete unterwegs und dokumentiert sind
drei Wochen Zustellung bestätigen, Rückfragen beantworten jede Zustellung quittiert ist
zwei Wochen einmalig nachfassen jede offene Zeile eine Rückmeldung hat
null Veröffentlichungsfenster die Beiträge erschienen sind

Sechs Wochen klingen viel und sind knapp bemessen. Wer im Oktober beginnt, hat für den Dezember genügend Zeit; wer Ende November anfängt, verschickt Pakete, die im Januar ausgepackt werden.

Die Tabelle, die alles trägt

Ausgedruckte Tabelle mit mehreren Spalten und Zeilen, daneben liegt ein Stift
Joost J. Bakker IJmuiden / CC BY 2.0

Eine Zeile je Paket, mit acht Spalten: Name, Plattform, Datum der Zusage, versandtes Produkt, Versanddatum, Sendungsnummer, Datum der Zustellung, Ergebnis. Mehr braucht es nicht, und weniger führt dazu, dass im Januar niemand weiß, was passiert ist.

Die Spalte „Ergebnis“ hat vier mögliche Einträge: Beitrag erschienen, Rückmeldung ohne Beitrag, keine Rückmeldung, Paket nicht angekommen. Diese vier Einträge sind die gesamte Auswertung, und sie beantworten im nächsten Jahr die Frage nach der Auswahl.

Ergänzend hilft eine neunte Spalte für Notizen: eine Rückfrage, ein Umzug, eine Absage für dieses Jahr mit Interesse für das nächste. Diese Notizen sind im folgenden Herbst der Ausgangspunkt für die Auswahl und ersparen die halbe Recherche.

Geführt wird die Tabelle von einer Person, und zwar laufend, nicht rückwirkend. Der Aufwand liegt bei zwei Minuten je Paket und ist der einzige Teil des Verfahrens, der wirklich Disziplin verlangt.

Nachfassen: einmal, mit Frist

Zwei Wochen nach der Zustellung geht eine kurze Nachricht raus. Sie fragt, ob das Paket angekommen ist und ob das Produkt funktioniert, und sie erwähnt beiläufig das gewünschte Veröffentlichungsfenster.

Sie fragt nicht, wann der Beitrag kommt. Dieser Unterschied entscheidet über die Antwortquote, weil die erste Formulierung ein Angebot ist und die zweite eine Forderung, für die es keine Grundlage gibt.

Nachgefasst wird genau einmal. Wer zweimal nachfasst, bekommt keinen Beitrag mehr und verliert zusätzlich die Möglichkeit einer späteren bezahlten Zusammenarbeit. Der Ruf einer Marke unter Creatorn verbreitet sich schneller als jede Kampagne.

Wenn kein Beitrag kommt

Das ist der Regelfall bei einem Teil der Pakete und in der Rechnung von Anfang an eingeplant. Eine Quote von drei bis fünf Beiträgen auf zehn Pakete gilt bei sorgfältiger Auswahl und vorheriger Zusage als brauchbares Ergebnis.

Wichtig ist, wie damit umgegangen wird. Ein Produkt zurückzufordern, ist rechtlich in aller Regel aussichtslos und praktisch schädlich. Sinnvoller ist ein Eintrag in der Tabelle und die Entscheidung, im nächsten Durchgang jemand anderen anzuschreiben.

Aufschlussreich sind die Rückmeldungen ohne Beitrag. Sie nennen häufig einen konkreten Grund: Das Produkt passte nicht zum Kanal, die Verarbeitung enttäuschte, der Zeitpunkt war falsch. Diese Hinweise sind wertvoller als mancher veröffentlichte Beitrag, wie der Text zum Einfluss von Nutzerinhalten zeigt.

Kennzeichnung gilt auch ohne Geld

Ein kostenlos überlassenes Produkt ist eine Gegenleistung. Die Pflicht zur Kennzeichnung eines Beitrags hängt an dieser Gegenleistung und nicht daran, ob Geld geflossen ist, und sie besteht unabhängig davon, ob die Marke darum gebeten hat.

Für die Marke bedeutet das zweierlei. Erstens gehört ein entsprechender Hinweis in die Beilage, klar formuliert und ohne Belehrung. Zweitens sollte niemand im Haus einen Beitrag ohne Kennzeichnung als Erfolg feiern.

Wie ein Einzelfall zu beurteilen ist, hängt von Umständen ab, die sich hier nicht abschließend klären lassen; die einschlägigen Vorschriften sind über Gesetze im Internet zugänglich, die Bewertung gehört in eine rechtliche Prüfung.

Was buchhalterisch zu klären ist

Verschickte Produkte verlassen den Bestand und tauchen in der Buchhaltung auf. Wie Sachzuwendungen an Personen außerhalb des Unternehmens zu behandeln sind, hängt von Art, Wert und Zweck der Zuwendung ab und unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Das ist kein Randthema, sondern eine Frage, die vor dem ersten Versand geklärt werden sollte, weil sie die Dokumentation beeinflusst. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Steuerberatung, bevor die Saison beginnt; dieser Text ersetzt diese Auskunft nicht.

Praktisch hilfreich ist ohnehin, was auch für die Auswertung gebraucht wird: eine vollständige Liste mit Empfänger, Produkt, Wert und Datum. Sie beantwortet die meisten Rückfragen und kostet keine zusätzliche Arbeit.

Was sich am Ende der Saison auswerten lässt

Drei Zahlen genügen. Erstens die Zusagequote: Wie viele der Angeschriebenen haben ein Paket angenommen? Zweitens die Beitragsquote: Wie viele der versandten Pakete führten zu einer Veröffentlichung? Drittens die Kosten je erschienenem Beitrag.

Die dritte Zahl macht den Vergleich mit bezahlten Kooperationen möglich. Sie enthält Produktwert, Versand und Arbeitszeit, geteilt durch die Zahl der Beiträge, und sie fällt regelmäßig höher aus, als die Beteiligten vermuten.

Genau deshalb lohnt sie sich. Wenn ein Beitrag aus dem Versand am Ende so viel kostet wie eine kleine bezahlte Kooperation, ist die Entscheidung im nächsten Jahr eine andere, und sie beruht dann auf einer eigenen Zahl.

Häufige Fragen

Wie viele Pakete sollte man gleichzeitig verschicken?

So viele, wie sich in derselben Woche persönlich begleiten lassen. Für eine Person sind das etwa fünfzehn bis zwanzig. Größere Wellen führen dazu, dass Rückfragen unbeantwortet bleiben, und genau dort geht die Hälfte der Beiträge verloren.

Darf man eine Veröffentlichung zur Bedingung machen?

Sobald eine Gegenleistung verbindlich vereinbart wird, ist es keine Produktüberlassung mehr, sondern eine Kooperation. Dann gehört sie schriftlich geregelt und angemessen vergütet, und die Auswahl folgt anderen Kriterien.

Was tun, wenn ein Beitrag kritisch ausfällt?

Stehen lassen und sachlich antworten, wenn eine Antwort angebracht ist. Eine kritische Erwähnung mit konkreter Begründung wirkt auf das Publikum glaubwürdiger als drei begeisterte, und sie liefert überdies verwertbare Hinweise zum Produkt.

Sollte das teuerste Produkt verschickt werden?

Selten. Sinnvoll ist das Produkt, das die Marke am besten erklärt und ohne Einarbeitung funktioniert. Ein hochpreisiger Artikel, dessen Bedienung eine Stunde Einführung braucht, bleibt in der Schachtel liegen.

Wie geht man mit Anfragen um, die von Creatorn selbst kommen?

Wie mit jeder anderen Bewerbung: nach denselben Kriterien prüfen und in dieselbe Tabelle eintragen. Die Zusagequote ist hier naturgemäß hoch, die Beitragsquote allerdings nicht automatisch besser.

Legen Sie vor dem ersten Versand die Tabelle an und schreiben Sie die erste Spalte voll, bevor ein einziges Paket gepackt wird. Der Rest des Verfahrens ergibt sich daraus fast von selbst, und im Januar steht eine Zahl da, mit der sich im nächsten Herbst arbeiten lässt.

Nadine Pflüger verhandelt und steuert Kooperationen zwischen Marken und Creatorn im deutschsprachigen Raum. Ihre Schwerpunkte sind Briefings, Nutzungsrechte und die Auswertung nach der Kampagne. Sie schreibt über das, was in Verträgen steht, nicht über Reichweitenversprechen.